Das hab´ ich auch gehabt!
Spielzeug aus dem Wirtschaftswunder

12. Dezember bis 30. April

 

Kinderspielzeug ist ein aussagekräftiger Spiegel der deutschen Nachkriegsgeschichte: Nach den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkrieges hatten die Deutschen in vielerlei Hinsicht ein immenses Nachholbedürfnis. In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte jedoch in weiten Bereichen des täglichen Bedarfs erst einmal großer Mangel.

(c) Wirtschaftswundermuseum

Für die meisten Menschen war es das Wichtigste, überhaupt genug zu essen zu haben. Sehr anschaulich dokumentiert dies ein in der Ausstellung zu sehender Kinderkaufladen, in dessen Auslagen zum Beispiel verschiedene Kaffee-Ersatz-Mischungen oder »Götterspeise ohne Zucker« zu entdecken sind. Eine Fleischbrühe wird immerhin schon wieder in »Friedensqualität« angeboten. Dank Marshallplan, Währungsreform und einer enormen Leistungsbereitschaft der Menschen geht es allerdings bald wirtschaftlich aufwärts, die Regale der Geschäfte füllen sich und es folgt eine Periode, die uns heutzutage als »Fresswelle« geläufig ist. 

(c) Wirtschaftswundermuseum

Um 1950 schließt sich die »Haushaltswelle« an, die ein zeitgenössischer Chronist wie folgt beschreibt: »Als wir satt waren, entdeckten wir plötzlich die Löcher in unseren Teppichen, die Sprünge im Geschirr, die Risse im Oberleder unserer Schuhe. Also kauften wir, was das Portemonnaie, die Warenkreditgesellschaften und die Vorschüsse hergaben.« Auch dies wird im Spielzeugbereich mannigfaltig dokumentiert, sei es durch gemütlich eingerichtete Puppenstuben, schick angezogene Puppen, Spielgeschirr oder Blechherde, die die Entwicklung vom Kohle- zum Elektroherd aufzeigen.

(c) Wirtschaftswundermuseum
(c) Wirtschaftswundermuseum
(c) Wirtschaftswundermuseum

Noch in der ersten Hälfte der Fünfziger folgt die »Reisewelle«. Nach vielen Jahren der kriegsbedingten Isolation stellten die Deutschen fest, dass sie noch gar nichts von der Welt gesehen hatten und sie begannen zu reisen. Zuerst ging nach Oberbayern und in den Schwarzwald, doch bald schon fuhr der Mann, der auf sich hielt, nach Italien - die Ersparnisse wurden ins Reisebüro getragen. In der Spielzeugwelt belegen dies höchst anschaulich Brettspiele, die sich um Urlaubsfahrten drehen oder auch die Reisemittel selbst, nämlich Flugzeuge, Eisenbahnen und Schiffe im Miniaturformat. Im Verlauf der 1960er Jahre sollten die Bundesbürger gar zu »Reiseweltmeistern« avancieren. - Das Auto war bereits damals der Deutschen liebstes Kind. Konnten sich anfangs nur wenige ein eigenes Gefährt leisten, sorgte das enorme Wirtschaftswachstum, das schon seinerzeit als »Wirtschaftswunder« bezeichnet wurde, und die damit einhergehende rasant steigende Kaufkraft dafür, dass es binnen kurzem zu einer Massenmotorisierung und verstopften Innenstädten inklusive Parkplatzproblemen kam. Ende der 1950er Jahre wurden die ersten Parkhäuser gebaut und wenig später standen ihre spielgerechten Abbilder in den Regalen der Händler.

(c) Wirtschaftswundermuseum

Auch der Traum von eigenen »kleinen Häuschen« erschien für immer mehr Familien als ein realistisches Ziel. Baukästen und Gesellschaftsspiele drehen sich um den Hausbau und das Angebot an Spielzeugbaggern und Baufahrzeugen ist riesengroß. Zudem herrschte eine regelrechte Fortschrittseuphorie, die Atomkraft galt als Heilsbringer der Zukunft und so ist es kaum mehr verwunderlich, dass 1958 ein Hersteller sogar ein Spielzeug-Atomkraftwerk im Sortiment hat. 

Aus dem einstigen Nahrungsmangel ist mittlerweile ein Überfluss geworden, die Menschen essen zu viel und werden zu dick – im Kinderkaufladen ist nun eine Spielpackung Abführmittel zu entdecken ...

(c) Wirtschaftswundermuseum

Die Elektrifizierung der Haushalte, die Entwicklung des Fernsehens zum Massenmedium und der Flug zum Mond in den 1960er Jahren sind weitere Themenbereiche, die es in der Ausstellung zu entdecken gilt. Wer mag, kann aber auch einfach nur in nostalgischen Erinnerungen schwelgen oder diese an seine Kinder und Enkel weitergeben und ihnen zeigen: »Das hab‘ ich auch gehabt!«

Den Flyer zum Download gibt es Leitet Herunterladen der Datei einhier


StadtGalerie

in der ehemaligen Mennonitenkirche aus dem Jahr 1768

Schlossstraße 2, 56564 Neuwied (für Navis: Deichstraße 1)
Infos und Anmeldungen unter 02631/20687
Öffnungszeiten der Galerie:
Mittwoch 12 bis 17 Uhr, Donnerstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag/Feiertag 11 bis 17 Uhr, Gruppen nach Vereinbarung.
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Eintrittspreise ab dem 3. März 2016:

Erwachsene 5 Euro

Kinder ab 12 Jahre 2 Euro

Erm. Eintritt Erwachsene 4,50 Euro (s. unten)

Gesonderte Preise für Gruppen

Erm. Eintritt für Erwachsene wird gewährt, für Schüler/innen (ab 18 Jahre), Auszubildende, Studierende, FSJler, Bundesfreiwilligendienstleistende, Schwerbehinderte (ab 50 %) erhalten bei Vorlage des Ausweises den ausgewiesenen ermäßigten Kartenpreis. Schwerbehinderte, die der Notwendigkeit ständiger Begleitung bedürfen (im Ausweis eingetragen „B“), zahlen bei Vorlage des Ausweises den ermäßigten Kartenpreis. Die Begleitperson ist frei.

In der StadtGalerie Neuwied – ehemalige Mennonitenkirche aus dem Jahr 1768 - sind sämtliche Ausstellungsräume allen Besuchern zugänglich. Das Haus ist für mobilitätseingeschränkte Menschen barrierefrei.
 
Zugänglichkeit
• ebenerdiger Eingang
• barrierefreie Erreichbarkeit aller Räumlichkeiten
• Personenaufzug 
• ausreichender Abstand zwischen den Exponaten für Rollstuhlfahrer
 
Behindertentoilette
• im zweiten Obergeschoss
 
Sitzgelegenheit
• in allen Ausstellungsräumen vorhanden

Behindertenparkplatz
• 2 Behindertenparkplätze in direkter Nähe der StadtGalerie